Erinnert ihr euch?
Es gab eine Zeit, in der trug es sich zu, dass jeder DAU, jeder "n00b" ein Forum sein Eigen nennen wollte. Dabei ging es nicht darum, Diskussionsplattformen zu erstellen, sondern eine Plauderplattform für den eigenen (Internet)-Freundeskreis zu errichten - oder auch gerne und einfach um Machtspielchen, z.B. durch die allseits verhassten "Script-Kiddies"). Nicht anders verlief es im IRC, einem konsolenbasierten Chatsystem - nur war hier technisches Verständnis gefragt, denn wer meinte, mit Klickibunti-Grafik einen Chatroom (sogenannte "Channels") oder gar einen gesamten Server administrieren zu können, wurde eines Besseren belehrt.
Doch diese Zeiten sind nun am verblassen, denn das Internet entwickelt sich weiter, und dessen User mit.
Angebot und Nachfrage
Wir leben in einer Kultur, die stark vom sozialen Umgang geprägt wird - auch im Internet. Social Communities sind bereits so sehr im Trend, dass man schon in naher Zukunft von einem gewaltigen Zusammenbruch ausgeht - weil die Anzahl an Angeboten immer höher wird, weil immer mehr Daten, insbesondere irrelevantes ihren Weg ins Netz finden, und nicht zuletzt, weil vielen Anwendern schlichtweg die Lust daran vergeht, was u.a. auch auf schlechte Datenschutz-Klauseln/Geschäftsbedingungen zurückzuführen sei. Solange sich aber Smartphones und ähnliche Geräte derart gut im Markt etablieren, wird sich der Trend weiterhin aufwärts gen Social Community neigen.
Ganz anders sieht es nun bei Foren aus - Sie werden wieder zu dem, wessen Zweck sie ursprünglich dienten: Wissensdatenbanken und Diskussionsplattformen, insbesondere für Support-Zwecke. IRC-Server verlieren stetig weiterhin an Usern, die eigentlichen Besucher sind jahrelange Stammgäste, geschlossene Gruppen möchte man sagen.
Mein Standpunkt hierzu
Ich selbst bedaure diese Entwicklung zum Teil. Lasst mich dies erläutern. Hinter Foren-Projekten steckte eine Menge Kreativität, wenn diese richtig und mit Enthusiasmus angegangen wurden. Da wurde neben dem Forum gleich eine komplett selbst gestaltete Website, gerne auch mit Chatsystem (respektive IRC) integriert, ein großes Portal erschaffen - dem Zweck dienend, sich mit Gleichgesinnten über gewisse Themen oder Vorlieben auszutauschen, bewusst Kontakt mit Fremden aufzunehmen, im fernen, weltweiten- oder landesweiten Web. Natürlich gab es auch viele unsinnige oder qualitativ minderwertige Community-Projekte.
Nein, lasst mich klarstellen, es gab hauptsächlich minderwertige Projekte. Aber wie verhält es sich jetzt?
Jeder Trottel kann sich eine Gruppe auf Facebook oder Google+ z.B. erstellen, und diese geschlossenen Kreisen oder öffentlich zugänglich machen, schnell noch eine kurze Beschreibung und ein Foto hin - fertig ist die hingeklatschte "Community". Wer meint, hier einen größeren Qualitätsstandard als in den früheren Community-Projekten zu finden, der irrt sich gewaltig, das Gegenteil ist eher der Fall. Je größer der Nutzeranteil, je größer der Bekanntheitsgrad, desto höher auch der Anteil an Idiotie und Blödsinn, logischerweise. Bei einer Social Community mit einer so enormen Kapazität wie der von Facebook kann das recht erschreckend wirken.
Der andere Teil ist der, dass es eben, wie immer auch Ausnahmen gibt - Personen, die technisch nicht gerade bewandert sind, aber durchaus Engagement bei der Entwicklung und Realisierung ihrer eigenen Ideen und Vorstellungen zeigen. Diese Personen können durch die Gruppenfunktionen schnell und einfach z.B. für politische Zwecke oder Vereine in Windeseile eine kleine Plattform erstellen, für die nicht mal eine separate Registrierung notwendig ist. Zumal Social Communities, obgleich oftmals (und dabei auch völlig zurecht!) von Datenschützern kritisiert eigentlich einem sehr noblen, wenn nicht sogar so ziemlich dem wichtigsten Zweck des Internets überhaupt dienen: Die Verbindung zwischen Menschen, Kommunikation, der Schlüssel zu praktisch allem. Wir sprechen von der Möglichkeit, Länder und Staaten, die von einem Regime angeführt werden, alleine durch die Macht der Kommunikation entgegenzutreten und zu stürzen, wir können durch das, was wir täglich schreiben, die Welt nachhaltig verbessern.